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04.02.2015

Gedenktafel „Nie wieder“ auf dem Wilhelmsplatz soll an die Bücherverbrennung 1933 erinnern

Am 10. Mai 1933, wenige Monate nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, wurden in fast allen deutschen Universitätsstädten Bücherverbrennungen durchgeführt. Sie waren der Höhepunkt der zentral gesteuerten Aktion der Deutschen Studentenschaft "Wider den undeutschen Geist". Auch in Neu-Isenburg wurde auf dem Wilhelmsplatz, am 24. Juni 1933, "undeutsches Schrifttum" verbrannt. Über 71 Autoren standen auf der "Braunen Liste verbrennungswürdiger Literatur".

Der Magistrat hat nun einen ersten Entwurf für eine Gedenktafel, dem Ausschuss Kultur, Sport, Ehrenamt und Partnerstädte zur Entscheidung vorgelegt. Sie soll an der Fassade des Hauses der Vereine, am Wilhelmsplatz, angebracht werden. Die Kosten dafür betragen rund 900 Euro; mit der Gestaltung wurde der Isenburger Künstler und Kulturpreisträger Uwe Gillig beauftragt.

Der Textentwurf wurde mit der Neu-Isenburger Historikerin Dr. Heidi Fogel abgestimmt:

Im Gedenken an die Bücherverbrennung 1933
Am 24. Juni 1933 fand hier auf dem Wilhelmsplatz eine von der Neu-Isenburger NSDAP organisierte Bücherverbrennung statt. Wie in vielen anderen deutschen Städten riefen die Nationalsozialisten dazu auf, Schriften vor allem von jüdischen, liberalen, kommunistischen oder sozialkritischen Autoren öffentlichkeitswirksam zu vernichten. Die Bücherverbrennungen waren trauriger Höhepunkt einer von der Deutschen Studentenschaft initiierten Kampagne "Wider den undeutschen Geist".
In Anwesenheit zahlreicher Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt wurden so Bücher von Philosophen, Lyrikern, Romanautoren und Wissenschaftlern verbrannt. Dazu gehörten unter vielen anderen die Werke bedeutender Schriftsteller wie Heinrich Heine, Thomas und Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Erich Kästner, Karl Marx, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud, Stefan Zweig, Erich Maria Remarque und Carl von Ossietzky. Die Erinnerung an die Bücherverbrennungen mahnt, uns stets mit aller Kraft für die Freiheit des Denkens und der Kultur in einer toleranten und weltoffenen Gesellschaft einzusetzen.