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24. Juli 1699 – der Gründungstag Neu-Isenburgs

Der 24. Juli 1699 gilt als Gründungstag Neu-Isenburgs. An diesem Tag leisteten 30 hugenottische Siedler auf der gräflichen Kanzlei im Isenburger Schloss in Offenbach folgenden Huldigungseid:

„Ihr sollt versprechen und schwören, daß ihr treu, gehorsam und ergeben dem erlauchten Grafen und Herren Johann Philipp, Graf von Isenburg und Büdingen, als eurem gesetzlichen Herren, seinen Erben und Nachfolgern sein wollt, deren Nutzen und Bestes prüfen und befördern, keinen Schaden thun noch anderen wissentlich gestatten, das jenige wohin auch die Capitulation weiset willig zu thun, ohne Anzeige nicht aus dem Lande zu weichen noch anderwärts euch häuslich niederzulassen und im Übrigen all dasjenige zu thun, was ein getreuer Unterthan seinem rechten Herren zu thun und zu lassen schuldig ist. Was mir jetzt vorgelesen worden und ich wohl verstanden, auch darauf Treue gelobt habe, dem will ich also nachkommen, so wahr mir Gott der Allmächtige helfe. Was man mir gesagt und ich wohl gehört und selbst daraufhin versprochen, werde ich halten, so wahr mir Gott helfe.“

Neu-Isenburg – eine Siedlung, aus der Not geboren

Die widrigen Ansiedlungsbedingungen in Offenbach führten dazu, dass viele der hugenottischen Neuankömmlinge weiterzogen. Andere wollten zwar Offenbach wieder verlassen, aber in der Nähe bleiben, weil ihnen die Region mit dem Messe- und Handelszentrum Frankfurt und dem Main als wichtigem Transportweg für handwerkliche Produkte auf Dauer günstige Erwerbs- und Lebensperspektiven versprach.

Graf Johann Philipp ließ trotz des sich abzeichnenden wirtschaftlichen Dilemmas die Flüchtlinge nicht im Stich. Er offerierte einer Gruppe von Bauern und Kleinhandwerkern, die nicht in Offenbach bleiben konnten oder wollten, Siedlungsland in seinem Territorium nördlich des Dorfes Sprendlingen. Das Gelände war eine früher als Weideland gerodete, nun aber mehr oder weniger brachliegende Lichtung – eine Wacholderwiese mit lichtem Baumbestand Der Siedlungsplatz lag am Hainer Weg, der aus Frankfurt nach Süden zur Burg Hain führte und an dieser Stelle etwa dem heutigen Verlauf der Frankfurter Straße entsprach.

Südöstlich des Siedlungsplatzes erstreckten sich entlang des Luderbaches die Bellingswiesen, die Teil eines größeren Verbundes von Feuchtwiesen auf nassen Auenböden waren.

Im Norden stieß das angebotene Gelände fast unmittelbar an den Frankfurter Stadtwald und damit an das Hoheitsgebiet der Freien Reichsstadt Frankfurt. Die uralte Grenze hatte hier schon seit über tausend Jahren Ländereien voneinander getrennt und ist schon für die karolingische Zeit als Urmarkgrenze beschrieben. Über Jahrhunderte war sie später eine Staatsgrenze, die die Entwicklung Neu-Isenburgs wesentlich beeinflusste. Heute bildet sie am Gravenbruchring und an der Friedensallee die Stadtgrenze zwischen Neu-Isenburg und Frankfurt.

Dicht am Frankfurter Wald wurde also 1699 ein Dorf für hugenottische Bauern und Handwerker errichtet. Diese Ursprungssiedlung Neu-Isenburgs wurde anfangs auch „Neudorf“ und „Philippsdorf“, „Ysenburg" oder „Ysembourg", später auch „Nouveau Ysemhourg" genannt. Die deutschsprachigen Nachbarn bezeichneten die Siedlung auch als „welsches Dorf oder kurz „Welschdorf“, was nach damaligem Sprachgebrauch für eine französische oder allgemein romanische Siedlung stand. Noch heute trägt ein Waldweg durch den Stadtwald von Frankfurt unweit der Straßenbahntrasse nach Neu-Isenburg den Namen „Welscher Weg".

Dreißig siedlungswillige Hugenotten leisteten am 24. Juli 1699 Graf Johann Philipp zu Ysenburg und Büdingen den für die Ansiedlung im Herrschaftsgebiet geforderten Untertaneneid. Weitere Flüchtlinge hatten bekundet, später in das Dorf ziehen zu wollen. Die rechtlichen Rahmenbedingungen für die neue Siedlung wurden in einer Urkunde, einem „Privileg", festgelegt, das auf den 20. September 1699 datiert ist. Das Privileg gewährte den Siedlern weitgehende Religionsfreiheit und kirchliche Selbstverwaltung mit dem von den Gemeindemitgliedern gewählten Konsistorium als Entscheidungsgremium. Außerdem wurde den neuen Untertanen das traditionelle hugenottische Selbstbestimmungsrecht zugesprochen, die Pfarrer durch „Urwahl" durch die ganze Gemeinde zu wählen - ein Recht, das bis heute in reformierten Gemeinden gilt. Amts- und Schulsprache im neuen Dorf sollte Französisch und der calvinistische Glaube die einzig anerkannte Konfession sein. Die Siedler durften, ohne besondere Abgaben leisten zu müssen, das Land auch wieder verlassen. Sie wurden für 10 Jahre von allen Steuern und vom Kriegsdienst für den Grafen freigestellt. Sie erhielten das Recht auf freien Handel und für den Start unentgeltlich Land, Bau- und Brennholz sowie Weide- und Wasser­nutzungsrechte. Auch ließ Graf Johann Philipp auf eigene Kosten mehrere Häuser bauen, die er dann vermietete. Die ersten Neu-Isenburger waren also in bemerkenswertem Umfang unterstützt und frei. Sie waren nicht persönlich abhängig von ihrem Grundherrn, wie damals noch die meisten Bauern in ländlichen Regionen. Die lokale Abschaffung von überkommenen grundherrschaftlichen Strukturen zugunsten der Glaubensflüchtlinge und deren Anschubfinanzierung zeugen nicht nur vom karitativen Verantwortungsbewusstsein des Landesherrn, sondern sind auch als zukunftsweisender Schritt der wirtschaftlichen und sozialen
Modernisierung zu sehen. Im Hintergrund stand aber immer auch die Not des Landesherrn, sein Land und damit auch seine Einnahmen nachhaltig entwickeln zu müssen.
Im Zusammenhang mit der Gründung Neu-Isenburgs ist die erste Ehefrau des Grafen, Charlotte Amalie von Pfalz-Zweibrücken-Landsberg, besondere zu erwähnen. In den ersten Jahren war sie als engagierte Landesmutter häufig in Neu-Isenburg. Sie soll bei ihren Untertanen sehr beliebt gewesen sein und ihr Vertrauen genossen haben.
Zeitgleich mit den Hugenotten waren Waldenser aus Frankreich und der von Frankreich abhängigen Alpenregion Savoyen-Piemont geflohen. Sie waren Angehörige einer alten und verfolgten christlichen Laienbewegung. Zwar gehörten sie nicht zu den ersten Siedlern in Neu-Isenburg, spielten aber schon kurz nach der Ortsgründung eine wichtige Rolle in der Gemeinde. Für die Zeit ab 1701 ist überliefert, dass Waldenser zur ursprünglich hugenottischen Bevölkerung Neu-Isenburgs hinzustießen. Sie hatten zuvor meist schon einige Jahre in anderen deutschen Siedlungen gelebt, waren erfahren in Angelegenheiten der Selbstverwaltung und sozial engagiert. Die Neuankömmlinge stellten daher eine Bereicherung für die hugenottische Ursprungssiedlung dar. Man findet ihre Namen (wie Arnoul, Pons und Gaydoul) im 18. Jahrhundert häufig unter den Honoratioren des Dorfes Neu-Isenburg. Im Laufe der Zeit entstand durch Zuzug und Eheschließungen eine französische Gemeinschaft aus Gemeindemitgliedern höchst unterschiedler Herkunft.
Die Aufnahme von Waldensern führte dazu, dass der erwähnte niederländische Gesandte Valkenier, der mit einem Mandat für diese Gruppe ausgestattet war, nun auch Neu-Isenburg mit Geldleistungen unterstützte. Mit diesen Mitteln konnten der Pfarrer und ein Lehrer bezahlt werden. So leistete Valkenier einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der jungen Siedlung.
(Kapitel aus dem Neu-Isenburger Geschichtsbuch von Heidi Fogel)

Ärgernis für die Nachbarn

Die Gründung des Hugenottendorfes war von Anfang an ein Ärgernis für die Nachbarn. Die Hugenotten waren Fremde, mit einer anderen Sprache und eine andere Konfession, meist der protestantisch-lutherischen Konfession. Der Graf hatte als geeigneten Platz für eine Ansiedlung eine Waldlichtung im Sprendlinger Oberwald, in günstiger Lage an der alten Straße von Frankfurt nach Darmstadt, entschieden. Für die Wahl war vor allem ausschlaggebend, dass sich das Land vollständig in herrschaftlichem Besitz befand.

So forderte der Rat der Freien Reichsstadt Frankfurt mit Schreiben vom 14.7.1699 den Grafen auf, vom Bau des geplanten Dorfes Abstand zu nehmen. Als der Graf darauf nicht einging, errichtete die Stadt Frankfurt an der Ortsgrenze einen bewehrten Forsthof, das heutige Frankfurter Haus.

Auch die südlichen Nachbarn waren von den Neuankömmlingen nicht begeistert, denn der Graf hatte den Hugenotten Land zum Siedlungsbau überlassen, das bisher Sprendlinger Bauern für ihr Vieh genutzt hatten. Keine einfachen Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander.

Die Bedingungen für die Ansiedlung waren zunächst nur in vier Punkten zusammengefasst, ein ausführliches Privileg wurde erst 1703 ausgefertigt, aber in das Gründungsjahr, genauer auf den 20. September 1699, zurückdatiert.

Zu den 4 Bedingungen:

Von der Kirche: das freie Exercitium der ref. Religion, eine Kirche, Pfarr- und Schulhäuser auch einen Friedhof und andere Gemeindehäuser und Plätze, wenn sie es nötig finden, anzuordnen und zu bauen, Wahl der Prediger und Lehrer…

Von der Justiz: Erlaubnis, einen Schultheißen und einige Schöffen zu wählen, Waffen in den Häusern zu haben, um sich gegen Diebe und Mörder verteidigen zu können. Sie sind frei wie auch unsere übrigen Untertanen, weder verkauft, noch vertauscht, oder verhandelt, oder in den Krieg genötigt zu werden….

Von den Gütern, so ihnen gegeben zu werden: Wir geben ihnen zu ihrer Disposition für sie und ihre Erben für immer, groß genuge Plätze und Häusern und Gärten, Land zu bauen, so viel ein jeder will… wir geben ihnen alles nötige Bauholz und überlassen ihnen den Nutzen des Brennholzes, des Wassers und der Weide, außerdem eine völlige Freiheit von allen Lasten, mit einem Wort: alle Freiheit für ihre Güter und Personen für die Zeit von 10 Jahren, welche angefangen von dem Tage, da ihnen diese Güter eingeräumt und welches geschehen soll, sobald sie den Eid der Treue abgelegt haben…

Von den Lasten: nach den 10 Freijahren sollen sie weder insgemein noch insbesondere nichts tun noch zahlen als von der Familie 5 Gulden, von 1 Morgen Land 10 Albus, von 1 Morgen Wiese 15 Albus und von Vieh 6 Gulden und das jedes Jahr…von jeder Familie mit einem ganzen Gut, also einem Bauplatz und Garten, 20 Morgen Acker und 4 Morgen Wiesen, 5 Gulden 20 Sols zahlen wollen…


In den 14 Privilegien wurden weitere Rechte, wie die Errichtung von 2 Brauhäusern, 2 Märkten, welche zweimal im Jahr gehalten werden dürfen, eingeräumt.

Die Herkunft und das soziale Umfeld der „Gründerväter“ sind gut erforscht: es handelte sich überwiegend um französische Réfugiés, die schon zehn und mehr Jahre zuvor aus Frankreich geflohen waren und sich seither in der Schweiz aufgehalten hatten. Für die Siedlung, zunächst „Welschdorf“ oder auch „Philippsdorf“ genannt, setzte sich rasch der Name „Ysenburg“ durch, erst später wurde Neu-Isenburg daraus.

Wenn auch der Start, was Hilfen von außen betraf, unter einem wenig günstigen Stern stand, so suchte der Landesherr doch das von ihm angestoßene Projekt aus eigener Kraft mit den verfügbaren Mitteln voranzubringen. Mit guten Gründen ist vermutet worden, dass auch der eigentümliche Grundriss der geometrisch geplanten Anlage in Form eines Andreaskreuzes auf Johann Philipp selbst zurückgeht. Die ersten festen Häuser wurden im Laufe des Jahres 1700 errichtet, nachdem die Siedler vorher in Notunterkünften, Baraques, untergebracht wurden. In das erste neu aufgerichtete Fachwerkhaus (an der Stelle des heutigen Gemeindehauses der ev.-ref. Kirche) wohnte der gräfliche Jäger Georg Bärenfänger, der wohl für die neuen Bewohner als Kontaktmann zur gräflichen Kanzlei diente und sicher auch Aufsichtsfunktionen hatte. In dem Haus wurden auch die ersten Kinder getauft, solange es noch keine Kirche gab. Die erste, 1702 begonnene hölzerne Kirche inmitten eines kleinen Friedhofs wich erst 1773 einem Neubau. In der Mitte der Siedlung, im Kreuzungspunkt aller Straßen, wurde 1702 das Rathaus errichtet, und 1876 angeblich wegen Baufälligkeit abgerissen. Das erste Schulhaus wurde 1704 errichtet, es ist das einzig heute noch erhaltene Gebäude aus der Gründungszeit, die Alte Schule in der heutigen Pfarrgasse 29. Hier wurde bis 1834 unterrichtet, bis 1829 auf Französisch. 2007 konnte die Stadt das Gebäude erwerben, grundhaft und nach denkmalschutzrechtlichen Aspekten sanieren.

Die Namen der ersten Siedler und deren Beruf:

Abraham des Cotes (Waffenschmied)

Pierre Combier (Schneider)

Antoine Berion (Ackersmann)

Laurence Coustout (Ackersmann)

Matthieu Assemar (Wingertsmann)

Francois Grimond (Ackersmann)

Jacque Bastide (Ackersmann) Erbauer der Krone

Etienne Ruel (Ackersmann)

Pierre Seymad (Ackersmann)

David Olivier (Beruf unbekannt)

David Brouchier (Ackersmann)

Jean Teissier (Ackersmann)

Daniel Vallon I (Ackersmann)

Daniel Allard (Ackersmann)

Daniel Vallon II (Handelsmann)

Jean Lepine (Tuchmacher)

Salomon Olivier (Barbier)

Jean Jaille (Schneider)

Isaac Courrier (Ackersmann)

Jean Daniel Cortey (Kirchendiener und Totengräber)

Jean Arnaud (Beruf unbekannt)

Daniel Marly (Weber)

Francois Renaud (Flachsbereiter)

Jean Jossant (Maurer)

Charles Cellarier (Ackersmann)

Jean Troué (Ackersmann)

Jean Astriock (Beruf unbekannt)

Jean Charles Maurigny (Beruf unbekannt)

Jean Ballard (Ackersmann)

Jaques Briva (Schneider)

Außerdem wurden als „ verreist mit Genehmigung des Grafen zur Ordnung ihrer Angelegenheiten erwähnt, die mit vorstehenden zur Huldigung nicht anwesend waren:

Samuel des Cotes

Dominique Morell

Joseph Carron

Jaques Jeannin

Pierre Gilles

Claude Pélicier

Jean Clément

La veuve Spolet

Marie Lauriol avec ses deux soeurs.

Quellen:

Heidi Fogel: 2016, Neu-Isenburger Geschichtsbuch

Pfarrer Friedrich Illert: 1899, Geschichte der französischen Colonie und Stadt Neu-Isenburg

Thomas Peter: 1990, Die Stadtgründung von Neu-Isenburg als Beispiel einer Idealstadt

Klaus-Peter Decker: 2018, Gewissensfreiheit und Peuplierung

Heidi Fogel und Matthias Loesch: 1999, „Aus Liebe und Mitleiden gegen die Verfolgten“