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Stolpersteine gegen das Vergessen in Neu-Isenburg

Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021

Auch in Neu-Isenburg wurden jüdische Menschen von den Nationalsozialisten deportiert, vertrieben und ermordet. Damit dieses Unrecht nicht vergessen wird, erinnern „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig an das Schicksal von 26 jüdischen Menschen in Neu-Isenburg. Denn „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud.

Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten. Für jeden einzelnen Stein – so sieht es das Projekt des Künstlers vor – haben einzelne Bürgerinnen und Bürger eine Patenschaft übernommen. In die Messingtafel der Steine sind der Name, die Adresse sowie das Geburts- und Todesdatum und das Schicksal des jeweiligen Opfers eingraviert. Die Steine wurden in den Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort eingelassen. Inzwischen liegen Stolpersteine in 1265 Kommunen Deutschlands und in einundzwanzig Ländern Europas.

Für die Verlegung von „Stolpersteinen“ in Neu-Isenburg ergriff Christa Ziller 2009 die Initiative und setzte das Projekt dann mit Gleichgesinnten in der Berta-Pappenheim-Initiative um. Wissenschaftlich wurde die Umsetzung von Dr. Heidi Fogel begleitet und von der Initiative der Kirchengemeinden sowie den Vereinen GHK (Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur) und FFK (Forum zur Förderung von Kunst und Kultur) unterstützt. 

In diesem Jahr wurden die Patinnen und Paten der Stolpersteine aufgerufen, die Steine zu reinigen und symbolisch, am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, am 27. Januar, eine Rose nieder zu legen. „Wegen der Corona-Pandemie war in diesem Jahr keine gemeinsame Aktion der Patinnen und Paten möglich. Mit dem Niederlegen der Rose wollen wir dennoch ein Zeichen setzen. Wir würden uns freuen, wenn an diesem Tag interessierte Bürgerinnen und Bürger individuell bei einem Spaziergang den einen oder anderen Stolperstein aufsuchen würden, als Verneigung vor den Opfern des Nationalsozialismus.“

Bürgermeister Herbert Hunkel bedankt sich für diese Aktion: „Während der Corona-Pandemie müssen wir auf große Veranstaltungen verzichten. Umso wichtiger sind diese Aktionen, um der Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen zu gedenken und ein Zeichen gegen den Antisemitismus zu setzen.“

Von 26 jüdischen Menschen, die in Neu-Isenburg gewohnt haben, ist bekannt, dass sie Opfer des NS-Terrors wurden. Dies gilt auch für die meisten Bewohnerinnen des Heims von Bertha Pappenheim. Seit dem Jahr 2010 erinnert eine Stolperschwelle, vor dem ehemaligen Heim des Jüdischen Frauenbundes in der Zeppelinstraße, an über 150 Frauen und Kinder, die dort lebten, deportiert und ermordet wurden.

In Neu-Isenburg wurden Stolpersteine gegen das Vergessen gelegt für:

  • Isaak Cahn, Gitella Cahn, Lion Schott, Selma Schott, Charlotte Schott in der Frankfurter Straße 32 (2009) 
  • Hedwig Jacobi in der Friedensallee 78 (2009)
  • Willy Schlamm, Else Schlamm, Herta Metzger (geb. Schlamm), Regine Schlamm (geb. Kahn) in der Taunusstraße 32 (2009)
  • das Ehepaar Josef und Adelheid Drehlich in der Frankfurter Straße 46,
  • Amalie Jonas, Trude Fischer, Irma Regine Meyer, Frankfurter Straße 45
  • die Familie Goldmann, Max und Rosa und ihre beiden Kinder Willi und Johanna, in der Frankfurter Straße 19
  • Familie Weiß aus der Schillerstr. 18, das Ehepaar René und Helene mit den Kindern Eva und Richard
  • Johanna Schönmann, Stolzestraße 8
  • Salomon Luks in der Hirtengasse 18
  • Max Pscherowski in der Frankfurter Straße 61  

Nicht allen, die gezwungenermaßen Neu-Isenburg verlassen mussten, können Steine gesetzt werden. Viele Schicksale ließen sich nicht aufklären und so hat sich die Stolperstein-Initiative für die entschieden, von denen sie Näheres in Erfahrung bringen konnte.