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Die Neu-Isenburger Kleingartenvereine boomen!

Bebauungspläne sichern die Parzellen der Kleingärtner in Neu-Isenburg

Die Corona-Pandemie hat die Nachfrage bei den drei Kleingartenvereinen (KGV) in Neu-Isenburg, KGV Engwaad e.V., KGV Fischer-Lucius e. V. und im KGV Eichenbühl explodieren lassen. Leerstände kennen die Kleingartenvereine nicht. Im Gegenteil, die Nachfrage ist um ein Vielfaches größer als das Angebot „Wurden zwischendurch die Schrebergärtner ein bisschen belächelt, zeigt sich doch zunehmend, dass diese grünen Oasen so gefragt sind wie nie. Ich habe im letzten Jahr deswegen gefühlt mit halb Neu-Isenburg telefoniert“, berichtet Andreas Ohm, 1. Vorsitzender vom KGV Engwaad.

„Gerade junge Familien haben ein großes Interesse an einem Schrebergarten“, berichtet Klaus Kroll, 1. Vorsitzender vom Kleingartenverein Eichenbühl. Das Image der Schrebergärten hat sich gewandelt. Hier ist alles nur nicht spießig und kleinbürgerlich. Auf den Parzellen, die zwischen 250 bis 700 Quadratmeter pro Pächter groß sind, wird Biogemüse angebaut und über den Gartenzaun mit den Nachbarn geplauscht. Bei der gemeinnützigen Arbeit tauschen sich Alt und Jung über Tipps und Tricks beim Obst- und Gemüsebau aus. Zwar gehören viele der schönsten Gärten den über sechzig Jährigen, aber es gibt keinen Garten, der nicht liebevoll gepflegt wird. Statt Anschlägen am Schwarzen Brett, „posten“ die Gartenfreunde des KGV Eichenbühl über Facebook wer die neue Obfrau ist (Andrea Neidhold) oder der Schlüssel zum Kompostplatz erhältlich ist. 

Gerade in der Corona-Pandemie zeigte sich besonders, wie wichtig dieses „Stückchen Grün“ für die Menschen ist. Viele Spaziergänger flanierten durch die gepflegten Anlagen und blickten oft sehnsüchtig auf die Familien, die dort im Garten Unkraut jäteten oder grillten. 

„Statt Fernreisen gab es für uns Kurzurlaube in die eigene Parzelle“, beschreibt Hannelore Steffens, 1. Vorsitzende des KGV Fischer-Lucius e. V. das Lebensgefühl der letzten Monate. „In der großen „Kleingärtner-Familie“ sind alle willkommen“, ergänzt Hannelore Steffens, „alle werden gleich behandelt, unabhängig von der Herkunft. Wir haben für jeden ein offenes Ohr und helfen wo wir können, mit dem Wissen der Fachberatung. Ich habe mich schon als wir unseren Garten übernommen haben, als Fachberaterin ausbilden lassen“.  
 

„Anders als in vielen anderen Städten, tragen die Kleingärtner in Neu-Isenburg keine Sorge, dass ihre Parzellen irgendwann ehrgeizigen Bauprojekten zum Opfer fallen. Denn in Neu-Isenburg gibt es Rechtssicherheit, weil die Anlagen im Bebauungsplan festgeschrieben wurden,“ sagt Bürgermeister Herbert Hunkel.

Um den Kleingärtnern diese Sicherheit zu geben, verabschiedete die Stadtverordnetenversammlung 1998 und 2000 die Bebauungspläne Nr. 23 und 94, in denen die Ausweisung der Areale als Gartenland festgeschrieben wurde. Im Umkreis von Neu-Isenburg gibt es keine vergleichbare Grundlage. Auch so etwas wie unlängst in Götzenhain, kann in Neu-Isenburg nicht passieren.

Die Kleingarten-Flächen sind größtenteils vom Land gemietet und werden zum gleichen Preis an die Vereine weitergegeben. Insgesamt ist das ein Areal von fast 400.000 Quadratmetern, das bis auf eine kleinere Fläche für Wege und öffentliche Anlagen eins zu eins an die Kleingartenvereine weitergegeben wird. Der Kleingartenverein Fischer-Lucius hat darüber hinaus zusätzliche Flächen direkt vom Land gepachtet.

Auch die Kleingärtnerei selbst ist geregelt, nicht nur durch die Vereinssatzung, sondern auch durch das Bundeskleingartengesetz (BKleingG).

Text und Recherche: Christel Passinger

Bilder: Stadtarchiv und privat

Christel Passinger, die sich mit der Geschichte der Kleingärten in Neu-Isenburg befasst hat schrieb: „Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gartenhütten als Unterkunft von ausgebombten Mitbürgern genutzt. Wer nur das nackte Leben retten konnte, war froh, ein Dach über dem Kopf zu haben. Heute sind die Gartenanlagen ein Naherholungsgebiet, dessen Wert gar nicht überschätzt werden kann. Sie sind ein ganz wichtiges Stück Infrastruktur für die Stadt und auch für die Umgebung. Der bekannte Architekt und Städteplaner Prof. Albert Speer hat die Bedeutung dieser Anlagen ebenfalls hervorgehoben. Die Stadt hat hier für urbanes Leben für viele Familien gesorgt, die zur Miete wohnen und kein eigenes Haus mit Garten finanzieren können. Neu-Isenburg leistet auch hier Vorbildliches. Der Anteil der Mitglieder mit Migrationshintergrund ist in allen drei Vereinen gestiegen. Ein wichtiger Teil der Integrationshilfe für ausländische Mitbürger wird hier ruhig und unaufgeregt geleistet. Die Kantinen/Vereinshäuser können von jedermann für kleine Feste genutzt werden, ohne dass Nachbarn sich gestört fühlen.  Die Kantinenwirte von Eichenbühl und Engwaad sind auf derartige Veranstaltungen eingerichtet und helfen mit Rat und Tat.“

Kleingärtnerverein 1920 Eichenbühl

In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstand der Kleingärtnerverein 1920 Eichenbühl. 1919 gab es bereits einige verstreut liegende Gärten, die überwiegend von der „Frankfurter Terraingesellschaft“ gepachtet waren. Die Freude an diesen Gärten war meistens kurz, da die Terraingesellschaft Häuser bauen wollte. So beriet eine Gruppe Neu-Isenburger Bürger, wie man zu günstigen Bedingungen und langfristig Gelände für einen Kleingartenverein bekommen könne. Man wählte eine Verhandlungskommission, an deren Spitze der spätere Bürgermeister Adolf Bauer stand. Die Bodenproben des Waldgeländes „Am Eichenbühl“ fielen zufriedenstellend aus und so wählte man diesen Standort. Die Verhandlungen gingen so zügig voran, dass man bereits im Januar 1920 den neuen Verein gründen konnte. Aus dem Stand hatte er 300 Mitglieder

Das Gelände war fast durchweg mit alten Eichen bewachsen. Die Urbarmachung war mit Sicherheit Schwerstarbeit. Technische Hilfsmittel konnten nicht in Anspruch genommen werden und so war man im Wesentlichen auf Handarbeit angewiesen. Die Zuteilung der Parzellen an die Mitglieder erfolgte durch Ziehung eines Loses. Schon bald gewann die Anlage an Substanz, was wiederum den Nachteil hatte, dass Wild und Diebe die Gärten heimsuchten. Unter großen Opfern wurde ein 1200 m langer Zaun gezogen. Eine Halle wurde zur Lagerung von Düngemitteln, Saatgut u.a.m. gebaut. Vorträge über Gartenbau, Baumschnitt und Düngung gaben den Neugärtnern fachliche Unterstützung. 

Ein Schandfleck in der neuen gepflegten Anlage war die sogenannte Kühtränke, ein  Relikt aus der Zeit, als in diesen Wald Vieh getrieben wurde. Nach Verhandlungen mit der Forstbehörde wurde der Teich dazu gepachtet. Der damalige Bürgermeister Wilhelm  Arnoul ließ 1930 – 1933  im Rahmen der sogenannten „Produktiven Arbeitslosenhilfe“  aus dem Sumpfloch einen kleinen Weiher mit Insel anlegen. Das Ganze wurde von Sträuchern, Bäumen und einer Rasenfläche umrahmt. Aus dem Schandfleck war ein Schmuckstück geworden. Später wurden Fische ausgesetzt. Wasserhühnchen und Stockenten belebten das Gewässer  

Der Zweite Weltkrieg ging auch am Eichenbühl nicht spurlos vorüber. Auch hier lag einiges in Trümmern und die Einbrüche und Diebstähle nahmen kein Ende, so dass sich die Mitglieder genötigt sahen, nächtliche Kontrollgänge durchzuführen.

Aber es ging bald wieder aufwärts. Die Kriegsschäden waren behoben. Die staatlichen Forstbehörden hatten erneut ein Waldstück abgeholzt und gaben das Gelände für Gartenzwecke frei. Wieder wurde gerodet und eingezäunt. So entstand die Anlage 2. 

Mit dem wachsenden Wohlstand änderte sich auch das Aussehen der Gärten. Statt Kohl, Kartoffeln u.a. Gemüse wurden mehr Blumen gepflanzt, Rasenflächen ergänzten das gepflegte Bild.

Der Weiher erhielt eine neue Steintreppe mit Schutzmauer aus rotem Sandstein. Die Wege wurden mit grobem Kies aufgefüllt. Das Zierstück war jedoch ein Schwanenpärchen, an dem viele Besucher ihre Freude hatten.

Der Kantinenbau wurde 1972 mit einem großen Anteil an Eigenleistung erneuert und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel (Bild 3).

Ein enormer Eingriff in die Anlage war der Bau der Autobahn A 661. Ca. 100 Gärten fielen weg. Aber einen Verlust sollte es nicht geben. Die Stadt Neu-Isenburg wies im Rahmen ihrer damaligen Grünpolitik etwa 4,5 Hektar neues Kleingartengelände aus. In knapp 2 Jahren Bauzeit entstanden 94 neue Kleingärten. Die Kosten für diese beispielhafte Leistung beliefen sich auf 200.000 DM. So entstand die Anlage 3. Ein großer Schritt nach vorn war die Elektrifizierung der gesamten Anlage im Jahre 1973. Das erleichterte nicht nur schwere Arbeiten wie Rasenmähen oder Wasserpumpen, sondern der Lärm und der Gestank von Benzinmotoren – beides nicht eben umweltfreundlich – wurden vermieden. Die Wasserversorgung erfolgt bis heute aber immer noch durch eigene Brunnen in den Gärten.

Auch das gesellschaftliche Leben kam in dem Verein nicht zu kurz. Sommer- und Kinderfeste sind ein fester Bestandteil des Jahresprogramms. Das schon viele Jahre stattfindende Dinofest erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kinderspielplätze und verkehrsberuhigte Wege sind eine nicht zu unterschätzende Unterstützung für die Eltern.

Einen großen Stellenwert hat der Umweltschutz. Winterspritzung, das Verbrennen von Holzabfällen, naturgemäßes Gärtnern, Baumschutzsatzung, Baumschneidekurse, umweltgerechte Düngung sind ständige Themen bei Lehrgängen und Fachvorträgen.

Wegen der Corona-Pandemie musste das große Fest zum 100jährigen Bestehen verschoben werden.

Heute gehören zum Verein 392 Parzellen.

Kontakt: Klaus Kroll, 1. Vorsitzende, kgv.eichenbuehl@gmx.de

Kleingärtnerverein Fischer-Lucius e.V. Neu-Isenburg

1919 wurde die „Kleingartenbauabteilung“ des damaligen Westendvereins gegründet. Die ersten Gärten lagen etwa im Bereich zwischen der heutigen Wilhelm-Leuschner-Straße und der Brunnen-straße, begrenzt von Bahnhofstraße und Friedensallee. Das Gelände war gepachtet. Offenbar war aber abzusehen, dass dies keine Dauerlösung sein konnte, denn bereits im Januar 1923 beantragte der Verein die Freigabe eines Waldgeländes für Schrebergärten.
1925 verselbstständigte sich diese Abteilung und wurde zum Kleingartenbauverein Westend.   

1927/28 wurde das Gelände durch die Süddeutsche Immobilien-Gesellschaft gekündigt, so dass sich die Kleingärtner nach einem anderen Areal umsehen mussten.

Nach zähen Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium in Darmstadt wurde dem Verein 1928 ein Stück Waldgelände von 11.850 qm zugewiesen, das der Forstverwaltung des Landes Hessen gehörte. Aufgrund der großen Nachfrage stellte die Forstverwaltung 1929 nochmals 2.600 qm zur Verfügung. Nach umfangreichen Arbeiten wurde 1930 die Einweihung der Anlage gefeiert.  In diesem Zusammenhang machten sich besonders verdient ein Studienrat Fischer aus Offenbach und der Finanzrat Lucius. In Anerkennung um deren Bemühungen nannte sich der Verein ab 1931 Kleingartenbauverein Westend, Anlage Fischer-Lucius. In den Jahren 1932 – 1935 erhielt der Verein nochmals 4.300 qm.

1933/34 wurde der Verein im Rahmen der Gleichschaltung 1934 umbenannt und erhielt den Namen  „Fischer-Lucius e.V. Neu-Isenburg im Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler Deutschlands e.V“ . Heute führt er den Namen Kleingärtnerverein Fischer-Lucius e.V. Neu-Isenburg.

Mit sehr großer Eigenleistung wurde 1938 mit dem Bau der Vereinshalle begonnen, die in der Folgezeit immer wieder erneuert bzw. erweitert wurde. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begann man mit der Verlegung einer Hauptwasserleitung, um die Anlage mit Trink- und Gießwasser zu versorgen.

Ein großer Einschnitt in der Vereinsgeschichte war 1974 der Bau der Verlängerung der Carl-Ulrich-Straße und der Ausbau der Landesstraße L 3117. Es fielen 18 Gärten weg, danach erfolgte die Neuaufteilung der restlichen Gartenparzellen im Bereich der neuen Straße. Ein Jahr später wurde das Ersatzgelände mit einer Größe von 3.230 qm zur Verfügung gestellt. Die neue Anlage ist an die Strom- und Wasserversorgung angeschlossen. Auch die alte Anlage wurde im Zuge dieser Arbeiten mit Strom versorgt.

In den Jahren 1979 bis 1991 wurde das Vereinshaus erneuert und erweitert. Ein Kinderspielplatz vervollständigte die Familienfreundlichkeit.

Fischer-Lucius ist ein Kleingärtnerverein, der sich nach den Regeln des Landesverbandes richtet, was den Anbau der Pflanzen und die Größe der Gartenhäuser betrifft. Dass es sich dort gut feiern lässt, ist allgemein bekannt. Das Sommerfest des Vereins erfreut sich großer Beliebtheit. Das Vereinshaus mit seiner gesamten Infrastruktur wird auch sehr gern von anderen Neu-Isenburger Vereinen für ihre Grillpartys, Sommerfeste und Familiennachmittage genutzt.

Heute gehören zum Verein 62 Parzellen.

Kontakt: Hannelore Steffens, Telefon 0160/8230109, Email:  steffens.hannelore@web.de

Kleingärtnerverein Engwaad e.V.

Der Name deutet auf ein enges (schmales) Waldstück hin. Unter dem Einfluss der hier üblichen Mundart entstand durch das eingeschobene Dehnungs-A der „Waad“.

Offiziell gegründet wurde der Verein 1936. Hintergrund war auch hier die Verbesserung der Versorgung mit Lebensmitteln. In der Engwaad existierten bereits Gartengrundstücke, auf denen auch Kleintiere wie Hühner, Kaninchen, Ziegen und sogar Schweine gehalten wurden. Vermutlich wollte man eine Registrierung der vorhandenen Resourcen erreichen. So ist es denn durchaus zu verstehen, wie im Neu-Isenburger Anzeigeblatt vom Dezember 1936 zu lesen war, dass sich einige Personen einen kostenlosen Weihnachtsbraten sicherten, indem sie Tiere entwendeten.

Ein besonderer Nachteil des Geländes bestand in einem hohen Grundwasserspiegel. Alle Mitglieder kämpften gegen das immer wieder steigende Wasser. In einer monatelangen Großaktion wurden auf Kleinbahnschienen mit Loren unzählige Kubikmeter „Müll“ der Frankfurter Müllabfuhr eingefahren, vermutlich um das Gelände aufzufüllen. Die Rechnung ging auf, der Lohn waren gute Ernten, die nicht durch steigendes Wasser gefährdet waren.

Als der Zweite Weltkrieg zu Ende ging und die Grundnahrungsmittel knapp waren, wurde auch die Kleingartenanlage Engwaad durch Abholzung des Waldes vergrößert. Für die Anlage II wurden mehr als 80.000 qm gerodet und urbar gemacht. Der legendäre Stadtgeometer Georg Blaum hatte in mühevoller Arbeit das Gelände vermessen und parzelliert.

Wie im Eichenbühl und bei Fischer-Lucius änderten sich die Gärten in der Engwaad mit dem zunehmenden Lebensstandard. Es wurden mehr Blumen gepflanzt und aus Nutzgärten wurden mehr oder weniger Ziergärten. Parkplätze wurden ebenfalls angelegt werden.

Auch dieser Verein war gezwungen, dem zunehmenden Verkehr Opfer zu bringen. Durch die Umlegung der B 46 mussten einige Gärten der neuen Trassenführung weichen.

Heute bewirtschaften über 250 Kleingärtner eine Fläche von ca. 150.000 qm. Eine Kantine mit Spielplatz – errichtet in Eigenarbeit – ist ein beliebtes Ziel von Wanderern und Spaziergängern.

Ein wichtiger Fortschritt war auch hier die Elektrifizierung.

Die Gesangs- und Musikgruppe „Engwaadinis“ war ein besonderes Aushängeschild des Vereins, die bei vielen Neu-Isenburger Veranstaltungen auftrat, aber insbesondere in Seniorenheimen mit ihren Liedern und Mundartgedichten ein gern gesehener Gast war.

Heute gehören zum Verein 254 Parzellen.

Kontakt: 1. Vorsitzender Andreas Ohms, Telefon 015170809070, email(at)kgv-engwaad.de

Über die Schrebergartenbewegung

Bereits Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden auf Initiative verschiedener Wohlfahrtsorganisationen, Stadtverwaltungen, Fabrikbesitzern und Landesherren die sogenannten „Armengärten“, um der sprunghaft ansteigenden notleidenden Bevölkerung zu helfen. Eine der ersten Gartenanlagen wurde bereits 1798 in Kappeln an der Schlei von  Landgraf Carl von Hessen angelegt. Hauptziel war es, dem Hunger und der Verarmung entgegenzuwirken.

Nur eine Legende ist die Behauptung, dass der Leipziger Arzt Moritz Schreber der geistige Vater der nach ihm benannten Schrebergärten sei. Zunächst gründete ein Mitarbeiter Schrebers in Leipzig einen Schulverein, der in Zusammenarbeit mit den Eltern der Schüler entstand. Zu Ehren von Moritz Schreber, der im Jahr zuvor verstorben war, erhielt er den Namen Schreberverein.

1865 wurde eine Spielwiese eingeweiht, auf der die Kinder von Fabrikarbeitern unter Betreuung eines Pädagogen spielen und turnen konnten. Sie erhielt den Namen Schreberplatz.

Erst der Lehrer Heinrich Karl Gesell legte auf diesem Platz Gärten an, die sich sehr schnell zu einem Refugium für die ganze Familie entwickelten und „Schrebergärten“ genannt wurden. Bald gingen diese Gärtchen in die Obhut der Eltern über und 1869 gab man sich eine Vereinssatzung. Zu diesem Zeitpunkt war Moritz Schreber bereits acht Jahre tot.

In der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in vielen Städten Kleingartenanlagen als eine unentbehrliche Hilfe für die Ernährung. Die Weimarer Nationalversammlung beschloss 1919 einen besonderen Kündigungsschutz mit einer Pachtpreisbindung für Kleingärten und Anfang der 1930er Jahre wurde per Notverordnung des Reichspräsidenten den Gemeinden die Pflicht auferlegt, Kleingartenland zur Verfügung zu stellen.